DFG Forschungsprojekt: Spielräume kultureller Infrastrukturen
Das Forschungsvorhaben untersucht Theater als kulturelle Praxis unter den Bedingungen globalisierter Produktionszusammenhänge. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass zeitgenössische Theaterarbeit zunehmend in transnationale Förderstrukturen, Kooperationsnetzwerke und institutionelle Programmatiken eingebunden ist, zugleich jedoch ästhetische Situationen hervorbringt, in denen diese Rahmen irritiert, verschoben oder neu konfiguriert werden. Im Zentrum steht die Frage, wie sich normative Vorgaben und künstlerische Selbstorganisation in Proben- und Produktionsprozessen verschränken.
Das Projekt begreift kulturelle Infrastrukturen nicht als feste Ordnungen, sondern als relationale Gefüge, die auch im künstlerischen Prozess performativ hervorgebracht werden. Förderlogiken, administrative Verfahren und institutionelle Erwartungen strukturieren ästhetische Prozesse und werden zugleich in konkreten Arbeitszusammenhängen verhandelt, transformiert oder unterlaufen. Proben, Aufführungen und kollaborative Netzwerke erscheinen dabei als Orte, an denen Infrastrukturen sichtbar und gestaltbar werden.
Methodisch verbindet das Vorhaben theaterwissenschaftliche Probenforschung mit ethnografischen Verfahren und Ansätzen der Globalisierungs- und Infrastrukturforschung. Ziel ist die Entwicklung einer ästhetischen Anthropologie kultureller Infrastrukturen, die diese als dynamische, konflikthafte und historisch situierte Konstellationen beschreibt.
Das Projekt richtet sich an die Theater- und Kulturwissenschaft, die Performance Studies sowie an Akteur:innen in transnationalen Kulturinstitutionen und Förderzusammenhängen. Es leistet einen Beitrag zur theoretischen Weiterentwicklung des Infrastrukturbegriffs und zur Analyse der Wechselwirkungen zwischen transnationalen Förderstrukturen und lokalen künstlerischen Praktiken.
Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Käte Hamburger Kolleg „global dis:connect“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) entwickelt und im Walter-Benjamin-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingereicht.
Ansprechpartner: Dr. Matthias Sterba